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Bienwald 2006

31. Bienwald-Marathon am 12.03.2006

7.15 Uhr.
Ich schaue aus dem Fenster und sehe, dass es heute nacht schon wieder geschneit hat. Einzelne Schneeflocken fliegen noch durch die Luft und das Thermometer auf unserer Terrasse zeigt minus 9 Grad Celsius.

Bei so einem Mist-Wetter jagt man keinen Hund vor die Tür. Aber ich muss heute einen Marathon laufen! Soll ich mir das wirklich antun?

Auf meinem Trainingsplan für den Barcelona-Marathon, der in zwei Wochen stattfindet, steht, dass ich heute 35 km in 3:11 Stunden laufen soll. Ich habe also die Alternative: Entweder hier 35 km durch verschneite und vereiste Waldwege humpeln oder in Kandel meinen zweiten Trainingsmarathon auf hoffentlich freigeräumten Straßen absolvieren.

Nach kurzem Überlegen und Rücksprache mit meiner lieben Frau Marianne Radcliffe (so nennt sie sich seit dem Frankfurt Marathon vom letzten Jahr) entscheide ich mich für Kandel.

Getränge bei der Startnummernausgabe

Wir fahren los und als wir in Kandel ankommen, sind wir beruhigt, dass wir nicht die einzigen Verrückten sind, die sich bei diesem Wetter hierher trauen: Rund um das Bienwald-Stadion herrscht reges Treiben und auf den Parkplätzen stehen Fahrzeuge aus Stuttgart, Heilbronn, Reutlingen, Rastatt, Pforzheim, Saarbrücken, Mannheim, Heidelberg und und und ...

Wir finden einen Parkplatz und versuchen anschließend in die Mehrzweckhalle zu kommen, um uns für den Marathon nachzumelden. Ein schwieriges Unterfangen. Denn anscheinend wollen in diesem Moment alle der 1.617 späteren Finisher entweder gerade zur Halle rein oder wieder raus. Nachdem wir den Eingangsbereich hinter uns haben, geht es dann aber zum Glück schnell. Wir melden uns an, bekommen jetzt schon unser Finisher-T-Shirt und - müssen nun schon wieder durchs Gedränge am Eingang, weil die T-Shirts ja noch vor dem Lauf im Auto verstaut werden müssen.

Vor dem Start

9.50 Uhr
Wir werden aufgefordert an den Start zu gehen. Heute kümmern wir uns nicht um die Einteilung der Startblöcke, sondern stellen uns da hin, wo die meisten anderen Läufer stehen, in der Hoffnung, dass die ein wenig Wärme abstrahlen.

Trotz der Kälte viele Läufer

Mir ist es saukalt und ich habe ein wenig Angst, dass ich heute zu dünn angezogen bin. Im Moment hat es ungefähr minus 4 Grad, aber meine gefühlte Temperatur liegt leider noch einige Grad darunter.

Kurz nach dem Start

10.03 Uhr
Vor drei Minuten hat sich die Läuferkollone - vorbei an Kurt Beck,dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz - langsam und träge in Bewegung gesetzt und ich habe mich zum ersten Mal in meiner “Laufkarriere” in langen Hosen, Jacke und Handschuhen zu einem Marathon aufgemacht. 

Vorm Start Richtung Kandel

Ich bleibe das erste Mal stehen und fotografiere das Läuferfeld, das sich vom Bienwald-Station Richtung Kandel bewegt, was mit Handschuhen und klammen Fingern gar nicht so einfach ist.

Lau f durch Kandel

10:14 Uhr
Wir laufen ein Stück durch Kandel ...

Auf der B427 Richtung Minfeld

... und dann auf der B427 weiter in Richtung Minfeld. 

Windräder säumen den Weg

Unsere einzigen Zuschauer sind ein paar riesige Stromgeneratoren, die sich behäbig im Wind drehen. Während wir an diesen dreiarmigen Giganten vorbeilaufen, treffen mich die ersten Sonnenstrahlen und - auch das hat es noch nie gegeben - zum ersten Mal bei einem Wettlauf freue ich mich über die wärmenden Strahlen, die mir doch schon bei so manchem Lauf im Sommer oder im Herbst meine geplante Zielzeit vermasselt haben (siehe auch Frankfurt-Marathon ).

5 Kilometer sind geschafft

10.30 Uhr
Die ersten fünf Kilometer sind geschafft. Wir haben gerade Minfeld verlassen und sind an der ersten Verpflegungsstation vorbeigekommen. In Minfeld habe ich bei etwa Kilometer 4 Reinhold aus unserem Verein (SV Hohenwettersbach) überholt, der heute seinen ersten Halbmarathon mit einer Zielzeit von 1:50 in Angriff nimmt. An der ersten Getränkestation bin ich wie immer vorbeigelaufen, weil ich auch heute wieder meine eigene Flasche für die ersten Kilometer dabei habe.

Das Wetter scheint zu halten

Ich knipse noch schnell zwei Fotos ...

Von Minfeld gehts über die Felder in den Bienwald

... und nehme mir dann vor, bis Kilometer 10 keine Pause mehr zu machen, weil es sonst eng wird mit meiner 35-km-Zielzeit von 3:11 Stunden.

10 km nach 52:30

10.52 Uhr
Nach 52 Minuten un 30 Sekunden laufe ich am 10 km Schild vorbei (man kann es ganz klein zwischen den Beinen der vorderen Läufergruppe erahnen). Die letzten fünf Kilometer habe ich ein wenig Gas gegeben und bin dabei endlich aufgetaut. Ich friere nicht mehr und meine Finger sind jetzt auch wieder so beweglich, dass ich beim fotografieren nicht immer Angst haben muss, dass ich wegen Gefühlslosigkeit die Digitalkamera fallen lasse. In der Ferne kommen mir die ersten Halbmarathonis entgegen, die die Wende, die sich bei etwa Kilometer 12,5 befindet, bereits passiert haben und schon wieder auf dem Rückweg zum Bienwald-Stadion sind.

Marco hat es gut - der ist schon wieder auf dem Rückweg

11:02 Uhr
Kurz bevor ich selbst an die Marathon-/Halbmarathon-Weiche komme, läuft mir Marco aus unserem Laufteam entgegen, der heute den Halbmarathon mit einer Zielzeit von 1:40 geplant hat, diese Zeit aber um ein paar Sekunden verfehlen wird. Hoffentlich lag es nicht daran, dass ich ihn mit meiner Fotografiererei aus dem Konzept gebracht habe.

Marathon-/ Halbmarathon-Weiche nach etwa 12,5 km

11:04
Jetzt komme ich selbst an die Weiche, wo sich die Marathonis von den Halbmarathonis trennen. Der Streckenposten, der vorne in der Mitte der Straße steht, meckert mich an, dass ich gefälligst auf meiner Seite der Straße bleiben soll. Ich fotografiere schnell, laufe geradeaus an ihm vorbei und bin verwundert, wieviele Läufer bei mir bleiben und so wie ich die Marathondistanz auf sich nehmen.

In monotonem Trab geht es auf der heute extra für uns für den Autoverkehr gesperrten Landstraße weiter. Um mir die Zeit zu vertreiben, mische ich mich ein paarmal in Gespräche von Läufern ein, die ich überhole. Nach zwei Kilometern kommen mir dann schon die späteren Sieger des Marathons entgegen und ich verbringe die nächsten Kilometer damit, den entgegenkommenden Läufer zuzuschauen.

Humpa humpa tätäräääää

11:26 Uhr
Nach etwa 17,5 Kilometern kommen wir an den Ortseingang von Schaidt, wo uns einige Zuschauer und eine Musikkapelle mit Faschingsmusik begrüßen und endlich ein wenig Abwechslung in den bisher doch ziemlich monotonen Lauf durch den Bienwald bringen. Wir biegen rechts ab auf auf die Felder, wo ich jetzt doch wieder ein wenig zu frösteln beginne, weil wir den schützenden Wald verlassen und uns der Wind ungehindert um die Ohren wehen kann.

Wende bei Schaidt

11:32 Uhr
Die erste Wende ist erreicht. Von hier geht es wieder zurück ...

Musik, zwo drei vier ...

11:38 Uhr
... nochmal vorbei am Humpa humpa tätärääää der Schaidter Musikkapelle, die mir wieder Schwung für die nächsten Kilometer gibt.

Marianne Radcliffe auf der Gegenfahrbahn

11:41 Uhr
Nach knapp 19,5 Kilometern kommt mir Marianne entgegen, die sich jetzt etwa bei Kilometer 17 befindet. Sie hat unterwegs Gabriele und Helmut aus Nürnberg kennengelernt, die heute auch nur einen Trainingsmarathon laufen und sie fast die ganze Strecke begleiten und mit ihr quatschen.

Cool - bei Minus 4 Grad -  fast gefrorene Schwämme zur Erfrischung - brrrrrr

11:48 Uhr
Bevor ich zur nächsten Abzweigung und der letzten Wendestrecke komme, muss ich jetzt doch noch einmal stehen bleiben, um einen dieser mit nassen Schwämmen gefüllten Plastikwannen zu fotografieren, die in regelmäßigen Abständen an der gesamten Strecke aufgestellt sind. Ob heute wirklich Läufer dabei sind, die von diesem Angebot Gebrauch machen? Ich kann mir das nicht vorstellen; bin ich doch schon heilfroh, dass es keine Niederschläge gibt, die Wege schnee- und eisfrei sind und mir nach der kurzen und kühlen Passage über die Schaidter Felder nun wieder einigermaßen warm geworden ist. Aber egal wie - diese Geste muss als Plus für den Veranstalter gebucht werden, der uns die ganze Strecke über gut versorgt hat.

Halbmarathon nach 1:50 Stunden

11:50
Ich passiere die 21 Kilometer-Marke und schaffe den Halbmarathon in 1:50 Stunden, bin also in der Zeit. Nach hundert Metern biegt die Strecke rechts ab zur zweiten Wendestrecke, die uns etwa 10 Kilometer beherbergen wird.

Zweite Wende nach etwa 26 Kilometern

12:18 Uhr
Wir laufen auf einem asphaltierten Waldweg Richtung Büchelberg und erreichen nach knapp über 26 Kilometern den nächsten Wendepunkt. Kurz vorher hat mich Maya vom LSG überholt, die sich normalerweise mit so kurzen Strecken wie einem Marathon nicht zufrieden gibt. Ich fotografiere sie und die Wendestelle, wobei die Streckenposten in lautes Jubeln ausbrechen und sich freuen, dass auch sie einmal abgelichtet werden.

Ich laufe in meinem Tempo weiter und wundere mich, dass mich heute auch jenseits der 30 Kilometermarke keine größeren Müdigkeits- und Erschöpfungsattacken befallen.

Unterwegs kommt mir wieder Marianne mit ihrer Nürnberger Laufbekanntschaft entgegen. Ich habe sie wieder fotografiert, aber weil der Fotograf von marathon4you sie noch besser als ich getroffen hat, verweise ich hier auf den entsprechenden Bericht (in dem ich auch auf zwei Fotos zu finden bin).

Das Trainingsziel ist erreicht

13:08 Uhr
Nach drei Stunden und acht Minuten habe ich mein Trainingsziel erreicht - drei Minuten vor der im Trainingsplan genannten Zeit. Um dies zu dokumentieren, bitte ich den Streckenposten, der hier steht, und jedem vorbeikommenden Läufer seine Zeit nennt, mich zu fotografieren.

Ab hier lasse ich mir jetzt so richtig viel Zeit und bin froh, dass ich heute keinen neuen Rekord brechen muss. Wir laufen ziemlich genau auf dem gleichen Weg, den wir vor etwa 2,5 Stunden in die andere Richtung gelaufen sind, wieder zurück zum Bienwald-Stadion. Nur dass wir dabei Minfeld links liegen lassen.

Raus aus dem Bienwald Richtung Kandel

13:24 Uhr
Ich bin etwa bei Kilometer 38, als ich den Bienwald wieder verlasse und Richtung Kandel laufe ...

Die Felder sind inzwischen schneefrei

... und sehe, dass der Schnee auf den Feldern inzwischen fast weggetaut ist.

Nur der Wald sieht noch ziemlich winterlich aus

Ich blicke nochmal zurück in den Wald und bin froh, dass trotz meines gemütlichen Tempos noch genügend Läufer hinter mir sind.

Signale für ein baldiges Ende - die Windräder

13:35 Uhr
Elf Minuten später tauchen auch die Windräder wieder auf und zeigen mir, dass ich nun bald am Ziel sein muss. Wir laufen bis zur Häuserfront, biegen vorher rechts ab und kommen an die Kilometermarke 40.

Die letzten Kilometer haben mich nun doch müde gemacht. Meine Fußsohlen schmerzen und wie bei jedem Marathonlauf denke ich nur noch ans Ziel und will endlich dort sein.

Ziel erreicht - nach 3:51 Stunden

13:51 Uhr
Ganz langsam schleppe ich mich weiter, biege ins Bienwald-Stadion ein, drehe noch meine letzte Ehrenrunde und komme nach drei Stunden, 51 Minuten und 10 Sekunden ins Ziel. Vorher überhole ich noch Günter vom Lauftreff Südwest, der sich das aber nicht gefallen lässt, nochmal tierisch auf die Tube drückt und (ganz hinten im Bild) ein paar Sekunden vor mir ins Ziel einläuft.

So - uff - wieder einmal 42,195 km geschafft! Dies war heute mein 10. Marathon. Im Nachhinein bin ich froh, dass wir uns heute morgen entschieden haben, hierher zu fahren. Ein 35 Kilometerlauf durch die hüglige und verschneite Gegend bei uns zuhause wäre bestimmt auch nicht weniger anstrengend gewesen als der Marathon von heute und obwohl hier auf der Bienwald-Strecke zwar wirklich der Hund begraben liegt, war dieser Lauf doch abwechslungsreicher, als es der Lauf zuhause gewesen wäre. Allerdings war die Sache auch nicht ganz billig. 29 Euro für einen Marathon, bei dem es nicht einmal eine Finisher-Medaille zur Belohnung gibt, ist schon recht viel.

Marianne ist übrigens nach 4:45:00 Stunden angekommen. Sie ist 35 Kilometer gelaufen. Danach ist sie vier Kilometer gegangen und hat dabei mit unseren Laufkollegen aus Fulda telefoniert, die wir in zwei Wochen in Barcelona wieder treffen werden. Danach hat sich dann aber noch einmal aufgerafft und ist die letzten 3.000 Meter wieder gelaufen. Marco hat den Halbmarathon mit 1:40:26 beendet und Reinhold hat seinen ersten Halben problemlos in 1:48:41 gemeistert.

Autor:
Klaus Eppele
eppele@welcheinglueck.de

Weitere Laufberichte siehe: http://laufen.welcheinglueck.de/Laufberichte/laufberichte.html