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Frankfurt 2005

24. Frankfurt Marathon am 30.10.2005

Seit dem 1. Januar 2005 habe ich auf diesen Tag trainiert. Nachdem ich im letzten Jahr nach einigen vergeblichen Anläufen die 3:30 Marke geknackt hatte (3:29:56), wollte ich in diesem Jahr erstmals einen Marathon unter 3:20 schaffen. Um dies zu erreichen, schien mir der Frankfurt Marathon Ende Oktober die geeignete Veranstaltung zu sein. Denn bis zu diesem Datum hatte ich ganze zehn Monate Zeit, mich vorzubereiten, und Ende Oktober, so hoffte ich, sollte es doch kühl genug für Bestleistungen sein. Außerdem hatte man mir erzählt, dass Frankfurt eine schnelle Strecke sei.

Zusammen mit einigen Mitgliedern unseres Laufteams sind wir schon samstags angereist, um uns ortskundig zu machen und in Ruhe die Startunterlagen zu holen.

Vom ersten Moment an war mir der Frankfurt Marathon sympathisch. Denn wo gibt es das sonst, dass der Mann mit dem Hammer mit Sicherheit erst bei der Kilometermarke 42 steht.

Im Schatten des Messeturms besuchten wir die Marathonmesse in der Halle 1.2 der Messe Frankfurt ...

... und besichtigten die letzten hundert Meter vor dem Einlauf in die Messehalle, in der am nächsten Tag unser Marathon enden sollte.

Abends vor dem Lauf übten wir uns (Dieter mit Ira, Oliver mit Jasmin, Jens mit Martina und Pauline, Marianne und ich) ganz in der Nähe der Startblöcke im gemeinsamen Carboloading. Im Restaurant traf ich zufällig Christian aus Loxstedt, den ich das letzte Mal beim 30. Berlin Marathon 2003 gesehen hatte.

Vor dem Lauf trafen wir uns um 10 Uhr vor dem Maritim Hotel. Auf dem Bild sieht man Dieter2 (so hat er sich selbst genannt, um nicht mit unserem anderen Dieter verwechselt zu werden), Oliver, mich, Marianne, Dieter und Jens (v.l.n.r.).

Dieter2 hatte sich für diesen Tag eine Zielzeit von 3:15 vorgenommen, Oliver und Jens liefen ihren ersten Marathon, wobei sich Oliver 3:20 auf die Fahne geschrieben hatte und Jens sich wegen eines verkürzten Trainings aufgrund diverser Verletzungen für diesen Tag mit 3:30 begnügen wollte. Dieter wagte wegen eines gerade verheilten Muskelfaserrisses keine Prognose, ich wollte, wie gesagt, die 3:20 in Angriff nehmen und Marianne hoffte, zum ersten Mal die 4-Stunden-Marke zu knacken.

Marianne hatte sich dazu Heike als tatkräftige Unterstützung organisiert. Heike, mit der wir schon zweimal in Davos und im Frühjahr in Rom gelaufen waren, und die gerade eine Woche zuvor zur Deutschen Meisterin im Crosslauf und zur Europacupsiegerin im Ultramarathon gekürt worden war, hatte Marianne versprochen, in Frankfurt einen gemütlichen Trainingslauf zu absolvieren und ihr nebenbei bei der Erreichung ihres Ziels behilflich zu sein.

Außerdem lief an diesem Tag noch mein treuer Sonntagstrainingspartner Dieter (der Dritte) mit, der in diesem Jahr schon zum dritten Mal in Frankfurt antrat.

Während wir auf den Start warteten, sahen wir neben den kenianischen Spitzenläufern so allerlei bekannte Gesichter, wie zum Beispiel den Ironman-Sieger Faris Al-Sultan, Stephan Vuckovic und Dieter Baumann, der an diesem Tag in einer Staffel mitlief und der mir später noch zweimal auf der Strecke begegnete.

Um 11 Uhr ging es endlich los. Auf dem Startbild sieht man Oliver, Dieter2 und mich (v.l.n.r.). Außerdem hatte sich leider mein größter Gegner mit uns ins Startfeld eingereiht: die Sonne, die mich während des ganzen Laufs unerbittlich verfolgen sollte.

Obwohl ich bei Sonnenschein noch nie wirklich gut gelaufen bin, hielt ich aber an meinem ursprünglichen Plan fest, so lange als möglich auf 3:15-Kurs zu gehen, also den Kilometer in 4:37 Minuten und mit 13 km/h zu laufen.

Von der Friedrich Ebert Anlage bogen wir nach etwa 500 Metern auf die Mainzer Landstraße ab, wo die Zuschauertribüne aufgebaut war. Dort tobte der Bär. Viele Zuschauer hatten sich hier versammelt, weil der Kurs so angelegt war, dass wir insgesamt fünf Mal hier vorbeikommen sollten.

Wegen der Sonne war ich schon bei Kilometer 3 total verschwitzt. Und jetzt ging es auch noch auf einer Länge von etwa einem Kilometer leicht bergauf, sodass mein Puls schon jetzt auf 175 Schläge pro Minute hochschnellte. Aber ich fühlte mich klasse und behielt das Tempo bei. Zwischen Kilometer 5 und 6 bekamen wir die gerade erarbeiteten Höhenmeter wieder gutgeschrieben und mein Puls normalisierte sich wieder.

Bis hierher waren Dieter2, Oliver und ich mehr oder weniger zusammen gelaufen, was nicht immer möglich war, da wir ständig irgendwelche langsameren Läufer überholen mussten. Doch Dieter2 setzte sich jetzt von uns ab, lief voraus und war verschwunden. Oliver blieb mir zum Glück noch etwas länger treu.

Wir liefen durch die Häuserschluchten von Mainhatten und vertrieben uns die Zeit damit, die zum Teil bombastischen Gebäude zu bewundern.

Kurz vor Kilometer 16 hatten sich Ira, Jasmin, Martina und Pauline postiert, um uns zuzujubeln, uns zu fotografieren und mir meine zweite Trinkflasche zu geben, die mir bis Kilometer 30 reichte.

Bis hierher war alles super gelaufen. Die Kilometermarken waren nur so an mir vorbeigesaust. Ich lag sogar 45 Sekunden vor der Zeit. Aber seit wir aus den schützenden Schatten der Hochhäuser heraus waren, merkte ich doch, wie die Sonnenstrahlen an mir nagten und nach und nach meine Reserven plünderten.

Da aber mein Puls die ganze Zeit über im grünen Bereich lag, entschied ich, die 13 km/h solange als möglich durchzuhalten - mindestens bis zur Halbmarathonmarke.

Pauline, unser jüngster Fan

Der Kurs führte uns weiter durch Niederrad, an der Bürostadt vorbei und durch die idyllischen Häuschen von Schwanheim. Die Halbmarathonmarke hatte ich mit netto 1:37:00 passiert, war an dieser Stelle also noch immer 30 Sekunden vor der Zeit. Aber die Kräfte schwanden und ich konnte die Zeiten meines 3:15er-Streckenplans, den ich die ganze Zeit in der Hand hielt, nur noch bis Kilometer 25 einhalten. Dann wurde ich langsamer. Ich hoffte, dass ich, wie schon bei früheren Marathons, nur einen kurzen Durchhänger hatte, und dann wieder gestärkt weiterlaufen könnte. Aber dem war diesmal leider nicht so. Von nun an wurde ich ständig langsamer, sodass auch Oliver mich nach knapp 27 gemeinsamen Kilometern irgendwo auf der Schwanheimer Brücke verlies und langsam aber sicher vor mir in der Läuferschar verschwand.

Jetzt hieß es nur noch durchzuhalten. Meinen Zeitplan warf ich weg und berechnete bei jedem Kilometerschild, wie viel Zeit mir noch blieb und wie schnell ich jeden noch folgenden Kilometer laufen müsste, um meine Zielzeit noch zu erreichen. Als ich nach Kilometer 32 auf die Mainzer Landstraße einbog, auf der wir fast sieben Kilometer geradeaus zurück Richtung Mainhatten liefen, hoffte ich ja, dass die Aussage aus dem Marathonprospekt war werden würde und uns der “Westwind ins Ziel tragen” und dabei noch ein wenig abkühlen würde. Aber auch diese Hoffnung wurde nicht real: Da war kein Wind, sondern nach wie vor nur die unbarmherzige Sonne, die gnadenlos auf mich brannte.

Aber ich hielt zum Glück durch, wenn ich auch von Kilometer zu Kilometer langsamer wurde. Zwischendurch wurde ich nochmal aufgemuntert von Achim, dem Mann von Heike, von unserem jüngsten Fan Pauline und den Läuferfrauen und kurz vor dem Ziel stand sogar noch Camila, die Frau von Dieter3, die genügend Zeit hatte, ein Foto von mir zu schießen, da mich an dieser Stelle wahrscheinlich sogar eine Schnecke hätte überholen können.

Und da war es, das lang ersehnte 42 km Schild. Die grölende Menge trug mich die letzen Meter bis zur Messehalle ...

... wo ich zum ersten Mal einen Marathon mit Discobeleuchtung auf einem roten Teppich beendete. Allein der Einlauf in die Halle war die Strapazen der letzten 42,195 km wert. Nur meine Wunschzeit habe ich leider nicht erreicht. Aber mit 3:27:02 habe ich immerhin, trotz Sonne, meine neue persönliche Bestzeit erlaufen und was die 3:20 betrifft: Der nächste Marathon kommt bestimmt ...

Ach ja - Marianne hat ihr Ziel erreicht. Mit 3:57:53 ist sie jetzt eine glückliche Unter-Vier-Stunden-Marathon-Läuferin und unterschreibt nur noch mit Marianne Radcliffe.

Weitere Ergebnisse siehe: http://www.sv-hohenwettersbach.de/LAUFTEAM/laufteam.html .

Autor:
Klaus Eppele
www.welcheinglueck.de